Übungstechnik · Sicher Steigern

Technik filmen: Mach deine Ausführung beurteilbar

Technik filmen im Krafttraining: Welche Perspektive für Kniebeuge, Kreuzheben, Bankdrücken & Co. So wird dein Video wirklich auswertbar.

Von Dr. Dominik Dotzauer Stand 27. Juni 2026 Lesezeit ~5 Min Methode: Falsch-Falsch-Richtig
Technik filmen: Mach deine Ausführung beurteilbar
Das Auge sieht es sofort: falsch wirkt grau und tot, richtig lebt.
Das Wichtigste in einem Satz

Ein gutes Technikvideo zeigt nicht dich möglichst schön, sondern die Bewegung beurteilbar: ganzer Körper, ganzer Arbeitssatz, passender Winkel und genug Abstand.

So nutzt du Falsch-Falsch-Richtig
  1. Leere Stange oder leichtes Gewicht nehmen.
  2. Bewusst ins erste falsche Extrem gehen und fühlen.
  3. Bewusst ins zweite Extrem, wieder fühlen.
  4. Die Mitte dazwischen suchen und dir das Gefühl merken.
  5. Dich von der Seite filmen und mit dem Selbst-Check unten abgleichen.

Sicher testen: Erst mit leerer Stange oder leichtem Gewicht. Bei Schmerz, Taubheit oder stechendem Ziehen abbrechen und ärztlich/physiotherapeutisch abklären lassen.

Die kurze Antwort: Wenn du deine Technik filmen willst, muss ein Coach die entscheidenden Dinge sehen können: Körper, Hantel, Knie, Rücken und den ganzen Arbeitssatz. Ein Clip aus Bodenperspektive oder nur eine perfekte Einzelwiederholung hilft kaum. Film so, als würde jemand neben dir stehen und deine Ausführung beurteilen.

Das Ziel ist nicht Content. Das Ziel ist Feedback.

Warum viele Technikvideos nicht helfen

Die meisten Videos scheitern nicht an der Kamera. Sie scheitern am Blickwinkel.

Du kannst eine Kniebeuge filmen, bei der die Füße riesig aussehen und die Hüfte irgendwo oben aus dem Bild verschwindet. Du kannst Kreuzheben so nah aufnehmen, dass man zwar die Scheiben sieht, aber nicht den Rücken. Du kannst Bankdrücken von vorne filmen und trotzdem nicht erkennen, ob Schulterblätter und Hantelweg passen.

Dann passiert das, was beim Techniklernen immer bremst: Du denkst, du hast Daten gesammelt, aber eigentlich hast du nur ein Video.

Ein gutes Technikvideo beantwortet drei Fragen:

Das Setup - Schritt für Schritt

  1. Wähle den Arbeitssatz: Film nicht nur eine leichte Vorzeige-Wiederholung. Film am besten den gesamten normalen Arbeitssatz, weil Technikfehler oft erst unter Ermüdung sichtbar werden.
  2. Stell die Kamera stabil auf: Nutze ein Stativ, eine Bank, eine Ablage oder lass kurz jemanden filmen. Wichtig ist: Das Bild darf nicht wackeln und nicht kippen.
  3. Geh auf brauchbare Höhe: Meist ist Augenhöhe bis Brusthöhe sinnvoller als Bodenhöhe. Wir wollen die Bewegung sehen, als würde ein Coach danebenstehen.
  4. Nimm genug Abstand: Körper und Hantel müssen komplett sichtbar sein. Wenn oben der Kopf fehlt oder unten die Füße abgeschnitten sind, fehlt dir Information.
  5. Film im richtigen Winkel: Der Winkel hängt von der Übung ab. Nicht jede Übung wird von der Seite am besten beurteilt.
  6. Prüf den Clip sofort: Bevor du das Gewicht steigerst oder den Satz abschickst: kurz ansehen. Siehst du wirklich, was du prüfen wolltest?

Falsch-Falsch-Richtig: Der brauchbare Blickwinkel

❌ Extrem A - Kamera auf dem Boden: Das Handy liegt schräg vor dir. Die Füße sind riesig, die Hantel wirkt verzerrt, der Rücken ist kaum beurteilbar. → Das spürst du beim Anschauen: Du musst raten. Genau das willst du vermeiden.

❌ Extrem B - zu nah und zu schön: Du filmst nur Oberkörper oder nur die letzte Hälfte der Bewegung. Der Clip sieht sauber aus, aber Knie, Füße oder Hantelweg fehlen. → Das spürst du beim Anschauen: Du siehst Details, aber nicht den Zusammenhang.

✅ Deine Mitte: Kamera stabil, genug Abstand, kompletter Körper sichtbar, ganzer Satz, passender Winkel für die Übung. → Das ist der brauchbare Blickwinkel. Nicht perfekt, aber auswertbar.

Welche Perspektive für welche Übung?

ÜbungBeste PerspektiveWorauf du achten willst
Kniebeugeschräg vorneKnie, Stand, Tiefe, Oberkörperwinkel
KreuzhebenSeite oder schräg vorneRückenposition, Hantelweg, Hüfte und Schultern
Bankdrückendirekt von der Seite oder Spotter-SichtHantelweg, Schulterposition, Po auf der Bank
Schulterdrückenschräg vorne, Beine sichtbarStangenweg (Bar Path), Hohlkreuz, Beinschwung
RudernSeite oder schräg hintenRumpfspannung, Schwung, Zugrichtung
Klimmzügeleicht schräg von vorne oder SeiteSchwung, Schulterkontrolle, volle Wiederholung

Wenn du unsicher bist, nimm zwei kurze Clips aus zwei Winkeln. Aber prüf danach nur einen Fehler auf einmal. Sonst landest du wieder in der Überanalyse.

Häufige Fehler - und der sofort-Fix

FehlerWarum er störtDein Fix
Kamera liegt auf dem BodenPerspektive verzerrt, Gelenkpositionen schwer erkennbarhöher stellen oder filmen lassen
Nur einzelne Wiederholung gefilmtFehler unter Ermüdung bleiben unsichtbarganzen Arbeitssatz filmen
Zu nah dranKörperteile fehlen1-2 Schritte weiter weg
Video seitlich gedrehtAuswertung wird mühsamClip direkt drehen/rotieren
Falscher Winkelentscheidende Punkte fehlenPerspektive nach Übung wählen
Zu viele Punkte prüfendu wirst unsicher statt besserpro Satz nur einen Punkt checken

Dein Selbst-Check

Bevor du ein Technikvideo beurteilst oder weitergibst, frag dich:

  1. Sehe ich Kopf, Füße, Hantel und den ganzen Bewegungsweg?
  2. Ist der Satz schwer genug, dass echte Technik sichtbar wird?
  3. Ist die Kamera ruhig?
  4. Kann ich den einen Punkt prüfen, den ich prüfen wollte?
  5. Habe ich den Clip gedreht, falls er falsch herum ist?

Wenn eine Antwort nein ist, film neu. Das dauert weniger lang, als aus einem schlechten Video falsche Schlüsse zu ziehen.

Häufige Fragen

Muss ich mich von der Seite filmen? Nicht immer. Kreuzheben und Rudern sind von der Seite oft gut beurteilbar. Kniebeugen sind schräg von vorne besser, weil man Knie, Stand und Tiefe sieht. Bankdrücken funktioniert von der Seite oder aus Spotter-Sicht.

Soll ich den leichtesten oder schwersten Satz filmen? Film den normalen Arbeitssatz. Sehr leichte Wiederholungen sehen oft besser aus als deine echte Technik. Maximalversuche sind dagegen zu riskant, wenn du nur Technik prüfen willst.

Brauche ich ein Stativ? Nicht zwingend, aber es hilft. Eine stabile Ablage oder eine Person, die kurz filmt, reicht. Wichtig ist ein ruhiges Bild mit genug Abstand.

Was soll ich zuerst prüfen? Nur einen Punkt. Beim Kreuzheben zum Beispiel erst Hantelweg oder Rückenposition, nicht alles gleichzeitig. Eine Veränderung nach der anderen ist der schnellere Weg.

Kann ein Video Coaching ersetzen? Nicht immer. Aber ein gutes Video macht Selbstkorrektur überhaupt erst möglich. Bei Schmerzen, Unsicherheit oder wiederkehrenden Fehlern ist externer Blick sinnvoll.


Verwandte Übungen: Starte mit den Selbst-Checks für Kreuzheben, Kniebeuge, Bankdrücken, Rudern und Schulterdrücken.

Dein nächster Schritt

Nimm dir 2 Minuten: leere Stange, 3 saubere Wiederholungen, film dich von der Seite und prüf nur EINEN Punkt aus dem Selbst-Check. Eine Sache nach der anderen, dann die nächste.

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